Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus

Veranstaltungen

Dienstag, 23. Juli 2019, 18:00 Uhr
Peter Grimm, der Journalist und Filmemacher zeigt seinen 50 min. Dokumentarfilm:
Vertreibung 1961
Entlang der innerdeutschen Grenze wurden 1952 und 1961 insgesamt etwa 13.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben und durften bis zum Ende der DDR nicht zurückkehren. Das Ministerium für Staatssicherheit benutzte dafür Decknamen wie „Aktion Ungeziefer" und „Kornblume“. Die Filmemacher Peter Grimm und Eckart Reichl sowie der Regionalhistoriker Bruno Leister haben sich in der Rhön auf Spurensuche begeben, um mit Zeitzeugen und Angehörigen ins Gespräch zu kommen. In ihrem Film schildern sie unter anderem das Schicksal der Familie Fink, die sich gegen die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft wehrte. Die Staatsmacht reagierte, indem sie den Vater und einen Sohn gegen deren Willen gewaltsam in den Westen abschoben. Die in der DDR verbliebenen Familienmitglieder wurden wenig später nach Sachsen zwangsumgesiedelt.
Dienstag, 06. August 2019, 18:00 Uhr
Dr. Andreas Petersen, Historiker von der Agentur zeit & zeugen Zürich / Berlin, stellt sein neuestes Buch vor:
DIE MOSKAUER: Wie das Stalintrauma die DDR prägte
Der Autor erkundet das Trauma der Gründergeneration um Pieck und Ulbricht. Sie hatten in Moskau die Jahre des Terrors erlebt, in denen Stalin mehr Spitzenkader der KPD ermorden ließ als Hitler. Zwei Drittel der Politemigranten waren verhaftet, verschleppt oder erschossen worden. Angst und Verrat wurden für die Exilanten aus Deutschland zur traumatisch-prägenden Erfahrung. Ab 1945 übernahmen die zurückgekehrten »Moskauer« die Führung in der sowjetisch besetzten Zone. Die ersten Jahre waren Stalin-Jahre. Zweifel und Fragen waren in der neu gegründeten SED nicht erwünscht, die »Moskauer« hätten sich sonst den eigenen Verstrickungen stellen müssen. Sie alle hatten den Terror bejubelt und viele sich gegenseitig denunziert, um sich zu retten. Und sie wußten das von einander. Ihr Schweigen über das Erlebte wurde zum Fundament des neuen Staates.
Dienstag, 20. August 2019, 18:00 Uhr
Dr. Angela Plöger, die renommierte Übersetzerin aus dem Finnischen, stellt das von ihr übertragene Werk vor:
René Nyberg, Der letzte Zug nach Moskau: Zwei Freundinnen, zwei Schicksale, eine jüdische Familiengeschichte
Der Autor war Botschafter Finnlands in Moskau und Berlin. Sein Buch erzählt u.a. die dramatische Geschichte seiner Mutter, die Jüdin war und gegen den Willen ihrer Eltern einen evangelischen Finnen heiratete. Die Hauptperson ist jedoch ihre Cousine Mascha aus Riga, deren Lebensodyssee in Lettland, der Sowjetunion, Israel und zuletzt Deutschland spielt. Nur durch kluge Entscheidungen überlebten sie und ihr Mann Josef zuerst die Deutschen und später mit Tochter Lena die schweren Jahre unter Stalin. Beide hatten schwer unter dem Antisemitismus Stalins Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre zu leiden sowie unter dem politischen Druck, den Denunziationen, dem Verlust des Arbeitsplatzes.
In Kooperation mit: DAS FINNISCHE BUCH e.V.
Dienstag, 03. September 2019, 18:00 Uhr
Gisela B. Adam, die Germanistin und Kunstwissenschaftlerin hält ihren Vortrag:
Zum 1. Todestag von Ulrich Schacht - Ein empfindsamer Poet und streitbarer Geist
„Was zu sagen ist | sagen wir unter zerrissenen | Wolken gespaltenem Licht…“

Ulrich Schacht, 1951 im Frauengefängnis Hoheneck geboren, wurde 1973 in der DDR wegen staatsfeindlicher Hetze zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt, 1976 in die Bundesrepublik „entlassen“. Nach seinem Studium in Hamburg war er Redakteur bei DIE WELT / WAMS, lebte ab 1998 als freier Journalist und Autor in Schweden und starb dort am 16. September 2018. So sind denn Verlust und Widerstand, das Beharren auf Glück und dessen stete Gefährdung seine Themen. Es geht ein Sog von seinen Gedichten aus, es sind Zeitgedichte, Gedichte über die Zeit, in der wir leben, uns ändern und geändert haben. Gedichte, die einfach, genau, knapp und berührend ein deutsches Schicksal vorführen.
Dienstag, 17. September 2019, 18:00 Uhr
Hans-Henning Paetzke (Ungarn), der ehem. pol. Cottbus-Häftling, Autor und bekannte Übersetzer aus dem Ungarischen, stellt nun den zweiten Band seiner autobiografischen Trilogie vor:
HEIMATWIRR
Mitteldeutscher Verlag 2019

Das eigene Schicksal liefert dem Ich-Erzähler den Rahmen, Erfahrungen einer ganzen Generation nachvollziehbar zu machen. Fast wie nebenbei sind die Lebenswege von Ost- und Westdeutschen, Ungarn, Russen, Polen in die Handlung verwoben. Offensichtlich tauchte Paetzke, der seit mehr als vierzig Jahren ungarische Literatur übersetzt und vermittelt, in die exotische Aura von Gyula Krúdy und Sándor Márai, von Miklós Mészöly und György Konrád ein und ließ sich von diesen inspirieren. Entstanden ist ein imposantes Erzählwerk, dessen Ariadnefaden den Leser durch das Labyrinth gegebener und erworbener Heimaten führt.

Aus dem Klappentext von György Dalos
Dienstag, 01. Oktober 2019, 18:00 Uhr
Petra Riemann &
Torsten Sasse, die Autorin und Filmschnittmeisterin beim RBB sowie der Journalist stellen multimedial das Buch vor:
Die Stasi, der König und der Zimmermann: Eine Geschichte von Verrat
Im Sommer 2013 berichtet die WELT AM SONNTAG, der bekannte DDR-Schauspieler Lutz Riemann habe als IM für die HVA der Stasi gearbeitet. Unter dem Decknamen „Richard König“ habe er in den 70er-Jahren Peer Steinbrück bespitzelt und Künstlerkollegen in Thüringen ausspioniert. Nicht nur den SPD-Kanzlerkandidaten trifft die Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Auch bei der Tochter, Petra Riemann, geht sie „rein wie ein Messer“, denn Steinbrück ist ihr Onkel. Lutz Riemann, bekannt als „Oberleutnant Zimmermann“ aus der Reihe „Polizeiruf 110“, bestreitet zwar, über „seinen Freund“ Peer berichtet zu haben. Seine Stasi-Tätigkeit aber gibt er unumwunden zu. Petra Riemann ist schockiert …
Dienstag, 15. Oktober 2019, 18:00 Uhr
Gabriel Berger, der Physiker, ehem. Cottbus-Häftling und Buchautor stellt sein neues Buch vor:
„Ein unverbesserlicher zionistischer Staatsfeind“ - Beschattet von der Stasi im Osten und Westen 1968 - 1989
In seinem neuen Buch rekonstruiert der Autor sein Leben in der DDR und danach in der Bundesrepublik anhand von Stasi-Akten, die ihm Stichworte für seine Erinnerungen liefern. Trotz kommunistischer Erziehung im Elternhaus und des ihm vermittelten gleichsam religiösen Glaubens an die Güte kommunistischer Ideen und an die Unvermeidbarkeit ihres weltweiten Sieges, entschied sich Berger als Erwachsener für die öffentliche Zurückweisung der Unfreiheit in der DDR und nahm dafür schließlich auch die Haftstrafe in Kauf. Nach der so erkauften Übersiedlung in den Westen setzte er sich für die Entlarvung der DDR-Diktatur und für die demokratische Opposition in Polen ein und stand dabei unter ständiger Beobachtung der Staatssicherheit.
Dienstag, 12. November 2019, 18:00 Uhr
Prof. Dr. (em.) Konrad Löw, der Jurist und Politikwissenschaftler hält seinen Vortrag:
60 Jahre Godesberger Programm - Warum hat sich damals die SPD von Marx getrennt?
1891 wurde der seit acht Jahren tote Marx seitens der SPD als „Unser großer Führer“ proklamiert und so gleichsam zum zeitlosen Oberhaupt erkoren. Ohne lange Debatte hat man sich vor genau sechzig Jahren mit dem Beschluss des Godesberger Programms am 15. November 1959 unmissverständlich von ihm verabschiedet. Das greifbare „Wirtschaftswunder“ hat den Vorsprung der Bürgerlichen anwachsen lassen. Da galt es, Ballast über Bord zu werfen. Aber war Marx ein Ballast, war der Marxismus ein Irrweg? Wer sich die überschwängliche Verehrung vergegenwärtigt, die ihm anlässlich seines 200. Geburtstages zuteil geworden ist, kommt kaum umhin, diese Gründe für maßgeblich zu halten. Welche waren es dann?
Dienstag, 26. November 2019, 18:00 Uhr
Prof. Jürgen Haase, der Filmproduzent und geschäftsführ. Gesellschafter des Wilhelm Fraenger-Instituts zeigt den Dok-Film von Alexander Kobylinski:
Der Fall Wolfgang Schnur – ein unmögliches Leben (45 min.)
Wolfgang Schnur war eine der schillerndsten DDR-Figuren: Als freiberuflicher Rechtsanwalt vertrat er politisch Verfolgte und Wehrdienstverweigerer vor Gericht, beriet die Leitung der Evangelischen Kirche und verriet als Stasi-Spitzel alle miteinander an das Ministerium für Staatssicherheit. Gierig nach Anerkennung ließ er sich sowohl von kirchlichen Gremien, als auch dem Mielke-Ministerium hofieren. Auf dem Höhepunkt seiner gegensätzlichen Karrieren wurde er 1989/90 Vorsitzender des neu gegründeten Demokratischen Aufbruch und wäre beinahe der erste frei gewählte Ministerpräsident der DDR geworden. Aber die Stasi selbst verhinderte das: Sie gab Schnur öffentlich als einen der ihren bekannt.
Dienstag, 10. Dezember 2019, 18:00 Uhr
Prof. Dr. habil. Andrzej Przyłębski, der BOTSCHAFTER POLENS in Berlin hält seinen Vortrag:
Die Bilanz der Transformation in Polen nach 1989
Bereits Anfang 1989 stellten sich nach langem antikommunistischen Oppositionskampf in Polen die Weichen endgültig für einen demokratischen Staat, die 3. Polnische Republik. Bei den ersten halbfreien Parlamentswahlen im Juni errang die Solidarnosc in Koalition mit der Vereinigten Bauernpartei sowie der Demokratischen Partei einen überragenden Sieg, und im August wurde der katholische Publizist Tadeusz Mazowiecki erster nichtkommunistischer Regierungschef in Osteuropa seit vierzig Jahren. Die danach eingeleiteten umfangreichen Staats- und Wirtschaftsreformen brauchten großes Durchhaltevermögen und Leistungswillen, denn anders als die Ostdeutschen hatten sie keinen „großen Bruder“ im Westen. Doch seitdem wächst die Wirtschaft sogar stärker als in Deutschland, und auch auf vielen anderen Gebieten ist Polen mittlerweile Vorreiter in Europa.
Dienstag, 07. Januar 2020, 18:00 Uhr
Petra Riemann &
Torsten Sasse, die Filmschnittmeisterin beim RBB sowie der Journalist stellen ihren 30 min. Dok-Film vor:
Bürgerrechte in der DDR - Kampf um Meinungsfreiheit
Der Liedermacher Stephan Krawczyk, die Regisseurin Freya Klier und der Bürgerrechtler Ralf Hirsch: drei DDR-Bürger proben Mitte der 80er Jahre den Auftstand, die Rebellion hinter der Mauer. Sie nehmen die in der DDR-Verfassung verankerten Rechte wörtlich und fordern sie von der Staatsführung ein. Doch die reagiert mit Härte. Die SED sucht einen Vorwand, die Dissidenten loszuwerden. Im Januar 1988 schlägt die Einheitspartei zu. Viele Bürgerrechtler werden verhaftet und in den Westen abgeschoben. Aus dem Blickwinkel der Hauptfiguren Stephan Krawczyk, Freya Klier, Ralf Hirsch und Rainer Eppelmann erzählt der Film die Geschichte der DDR-Opposition Mitte der 80er Jahre; er erzählt von einer Rebellion hinter der Mauer.
Dienstag, 03. März 2020, 18:00 Uhr
Caroline Labusch, die Autorin stellt multimedial die Recherchearbeit zu ihrem Buch vor:
„Ich hatte gehofft, wir können fliegen“ - Auf den Spuren des letzten Mauertoten Winfried Freudenberg
Penguin Verlag 2019

Ostberlin am 8. März 1989: Ein junges Paar will fliehen. Der Ingenieur Winfried Freudenberg und seine Frau, eine Chemikerin, fassen einen abenteuerlichen Plan – in einem selbst gebauten Ballon wollen sie über die Mauer in den Westen fliegen. In einer kalten Neumondnacht brechen sie auf. Am nächsten Morgen findet die Westberliner Polizei in einem Villengarten die Leiche des Mannes. Todesursache: Sturz aus großer Höhe. Von der Frau fehlt jede Spur. Die Ermittlungsbehörden auf beiden Seiten der Mauer stehen vor einem Rätsel. Was ist in jener Nacht geschehen? 25 Jahre später wird die Autorin Caroline Labusch von einem Freund auf diesen wahren Fall aufmerksam gemacht. Gemeinsam begeben sie sich auf die Spuren des letzten Berliner Mauertoten. Dabei stoßen sie auf die bewegende Liebesgeschichte eines ungleichen Paars.
Dienstag, 17. März 2020, 18:00 Uhr
Dr. Hanna Labrenz-Weiß, die Wissenschaftliche Mitarbeiterin der BStU stellt das von ihr übersetzte, bearbeitete und herausgegebene Buch vor:
Igor Janke, TWIERDZA - Die Festung: Die Kämpfende Solidarnosc. Innenansicht aus Polens antikommunistischer Untergrundorganisation.
Die Geschichte der Solidarnosc unter Lech Walesa ist bekannt. Die Geschichte der Teile der Solidarnosc-Bewegung, die sich für einen anderen, einen radikaleren Weg entschieden, hingegen ist noch weitgehend unerzählt. Mit einer Fülle an Details, taucht Jankes preisgekröntes Buch ein in eine bislang kaum bekannte Untergrund-Welt. Wie sich die kämpfende Solidarnosc in der hochüberwachten polnischen Gesellschaft des Kriegsrechts formierte, agierte, wie viel Zuspruch und Unterstützung sie in der Bevölkerung erhielt und welche Aktionen ihr gelangen, das ist ein faszinierendes Kapitel der Oppositionsgeschichte gegen die kommunistische
Gewaltherrschaft.
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