Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus

Veranstaltungen

Dienstag, 26. November 2019, 18:00 Uhr
Prof. Jürgen Haase, der Filmproduzent und geschäftsführ. Gesellschafter des Wilhelm Fraenger-Instituts zeigt den Dok-Film von Alexander Kobylinski:
Der Fall Wolfgang Schnur – ein unmögliches Leben (45 min.)
Wolfgang Schnur war eine der schillerndsten DDR-Figuren: Als freiberuflicher Rechtsanwalt vertrat er politisch Verfolgte und Wehrdienstverweigerer vor Gericht, beriet die Leitung der Evangelischen Kirche und verriet als Stasi-Spitzel alle miteinander an das Ministerium für Staatssicherheit. Gierig nach Anerkennung ließ er sich sowohl von kirchlichen Gremien als auch vom Mielke-Ministerium hofieren. Auf dem Höhepunkt seiner gegensätzlichen Karrieren wurde er 1989/90 Vorsitzender des neu gegründeten Demokratischen Aufbruch und wäre beinahe der erste frei gewählte Ministerpräsident der DDR geworden. Aber die Stasi selbst verhinderte das: Sie gab Schnur öffentlich als einen der ihren bekannt.
Dienstag, 10. Dezember 2019, 18:00 Uhr
Prof. Dr. habil. Andrzej Przyłębski, der Botschafter der Republik Polen in Berlin hält seinen Vortrag:
Die Bilanz der Transformation in Polen nach 1989
Bereits Anfang 1989 stellten sich nach langem antikommunistischen Oppositionskampf in Polen die Weichen endgültig für einen demokratischen Staat, die 3. Polnische Republik. Bei den ersten halbfreien Parlamentswahlen im Juni errang die Solidarnosc in Koalition mit der Vereinigten Bauernpartei sowie der Demokratischen Partei einen überragenden Sieg, und im August wurde der katholische Publizist Tadeusz Mazowiecki erster nichtkommunistischer Regierungschef in Osteuropa seit vierzig Jahren. Die danach eingeleiteten umfangreichen Staats- und Wirtschaftsreformen brauchten großes Durchhaltevermögen und Leistungswillen, denn anders als die Ostdeutschen hatten sie keinen „großen Bruder“ im Westen. Doch seitdem wächst die Wirtschaft sogar stärker als in Deutschland, und auch auf vielen anderen Gebieten ist Polen mittlerweile Vorreiter in Europa.
Im Anschluss: Zum Jahresausklang Punsch und Gebäck.
Dienstag, 07. Januar 2020, 18:00 Uhr
Petra Riemann &
Torsten Sasse, die Filmschnittmeisterin beim RBB sowie der Journalist stellen ihren 30 min. Dok-Film vor:
Bürgerrechte in der DDR - Kampf um Meinungsfreiheit
Der Liedermacher Stephan Krawczyk, die Regisseurin Freya Klier und der Bürgerrechtler Ralf Hirsch: drei DDR-Bürger proben Mitte der 80er Jahre den Auftstand, die Rebellion hinter der Mauer. Sie nehmen die in der DDR-Verfassung verankerten Rechte wörtlich und fordern sie von der Staatsführung ein. Doch die reagiert mit Härte. Die SED sucht einen Vorwand, die Dissidenten loszuwerden. Im Januar 1988 schlägt die Einheitspartei zu. Viele Bürgerrechtler werden verhaftet und in den Westen abgeschoben. Aus dem Blickwinkel der Hauptfiguren Stephan Krawczyk, Freya Klier, Ralf Hirsch und Rainer Eppelmann erzählt der Film die Geschichte der DDR-Opposition Mitte der 80er Jahre; er erzählt von einer Rebellion hinter der Mauer.
Stephan Krawczyk wird dazu anwesend sein.
Dienstag, 21. Januar 2020, 18:00 Uhr
Nathalie Nad-Abonji, die Schweizer Journalistin stellt ihren spannenden 50 min. Hörfunkbeitrag vor:
Das Ende der Staatssicherheit in Rostock
Es ist der Abend des 4. Dezember 1989, als Dietlind Glüer in die Rostocker Stasi-Zentrale gerufen wird. Die Kirchenmitarbeiterin soll die Bürgerrechtler mit ihrer besonnenen Art vor Ort unterstützen. Die Mauer ist zwar seit vier Wochen auf, trotzdem arbeitet die Stasi unbeirrt weiter. Die Bürgerrechtler wollen die Stasi-Zentrale auflösen. Bald heißt es, zehn Ausgewählte dürften rein – Verhandlungen mit den Oberen führen. Mit dabei ist Dietlind Glüer. Sie und ihre Mitstreiter schaffen es, durchzusetzen, dass alle 400 im Gebäude noch arbeitenden Stasi-Mitarbeiter das Gelände verlassen. Begleitet von der johlenden Menge vor dem Haupteingang. Der wichtigste Portagonist des Feature war 30 Jahre beim MfS.
Dienstag, 18. Februar 2020, 18:00 Uhr
Gabriele Stötzer, die Erfurter Schriftstellerin und Künstlerin stellt ihr autobiografisches Werk vor:
Die bröckelnde Festung
Von der zwangsweisen Exmatrikulation vom Studium an der Pädagogische Hochschule Erfurt aus politischen Gründen bis zum Prozeß wegen Staatsverleumdung und ins berüchtigte Hohenecker Frauengefängnis waren es nur noch kleine, logische Schritte - aus der Sicht des Staates DDR. Mit Leidenschaft erforscht die Autorin Gabriele Stötzer das Jahr im Knast: ihr eigenes und das Knastleben, die Gefängniswelt, die Welt draußen und die ihrer Mitgefangenen. Auch den Staat, dessen getreues Abbild im Kleinen sie hier findet, und den sie dennoch nicht verlassen will. Sie sieht die Veränderungen an sich selbst, innerlich und äußerlich, die Wirkungen von schwerer Akkordarbeit und Entbehrung und die Macht der Phantasie. Es wird ein Jahr der Entdeckungen und der Erkenntnisse, der Wandlungen und des Wachsens.
Nichts wird mehr wie vorher sein.
Dienstag, 03. März 2020, 18:00 Uhr
Caroline Labusch, die Autorin stellt multimedial die Recherchearbeit zu ihrem Buch vor:
„Ich hatte gehofft, wir können fliegen“ - Auf den Spuren des letzten Mauertoten Winfried Freudenberg
Penguin Verlag 2019

Ostberlin am 8. März 1989: Ein junges Paar will fliehen. Der Ingenieur Winfried Freudenberg und seine Frau, eine Chemikerin, fassen einen abenteuerlichen Plan – in einem selbst gebauten Ballon wollen sie über die Mauer in den Westen fliegen. In einer kalten Neumondnacht brechen sie auf. Am nächsten Morgen findet die Westberliner Polizei in einem Villengarten die Leiche des Mannes. Todesursache: Sturz aus großer Höhe. Von der Frau fehlt jede Spur. Die Ermittlungsbehörden auf beiden Seiten der Mauer stehen vor einem Rätsel. Was ist in jener Nacht geschehen? 25 Jahre später wird die Autorin Caroline Labusch von einem Freund auf diesen wahren Fall aufmerksam gemacht. Gemeinsam begeben sie sich auf die Spuren des letzten Berliner Mauertoten. Dabei stoßen sie auf die bewegende Liebesgeschichte eines ungleichen Paars.
Dienstag, 17. März 2020, 18:00 Uhr
Dr. Hanna Labrenz-Weiß, die Wissenschaftliche Mitarbeiterin der BStU stellt das von ihr übersetzte, bearbeitete und herausgegebene Buch vor:
Igor Janke, TWIERDZA - Die Festung: Die Kämpfende Solidarnosc. Innenansicht aus Polens antikommunistischer Untergrundorganisation.
Die Geschichte der Solidarnosc unter Lech Walesa ist bekannt. Die Geschichte der Teile der Solidarnosc-Bewegung, die sich für einen anderen, einen radikaleren Weg entschieden, hingegen ist noch weitgehend unerzählt. Mit einer Fülle an Details, taucht Jankes preisgekröntes Buch ein in eine bislang kaum bekannte Untergrund-Welt. Wie sich die kämpfende Solidarnosc in der hochüberwachten polnischen Gesellschaft des Kriegsrechts formierte, agierte, wie viel Zuspruch und Unterstützung sie in der Bevölkerung erhielt und welche Aktionen ihr gelangen, das ist ein faszinierendes Kapitel der Oppositionsgeschichte gegen die kommunistische
Gewaltherrschaft.
Dienstag, 14. April 2020, 16:00 Uhr
VORSTANDSWAHL-MITGLIEDER-VERSAMMLUNG
NUR FÜR MITGLIEDER DES FÖRDERVEREINS GEDENKBIBLIOTHEK ZU EHREN DER OPFER DES KOMMUNISMUS e.V. !
Dienstag, 14. April 2020, 18:00 Uhr
Thomas Stein, der ehemalige politische Häftling stellt sein autobiografisches Buch vor:
GRENZTERROR
Im Zentrum des Buches steht die mehrjährige DDR-Haft des Autors, welcher 1957 in Berlin geboren wurde. 1972 versucht er mit 15 Jahren, in den Westen abzuhauen, wird zu Jugendhaus verurteilt und im Gefängnis vergewaltigt. 1976 sperrt ihn die Stasi wegen Republikflucht und Grenzterror ein. Auf Letzteres stand in der DDR 1976 noch die Todesstrafe! Von 21 Jahren Leben im Osten verbrachte er 4 ½ Jahre in 11 DDR-Gefängnissen.

„O Deutschland meine Trauer, dich trennt `ne dicke Mauer und wenn man sich der Mauer naht, läuft durch das Minenfeld, springt über Stacheldraht, und rennt dann weiter, unverdrossen, wird man erschossen von Genossen.“

- dichtet er mit 15 Jahren im Gefängnis Rummelsburg.
Dienstag, 28. April 2020, 18:00 Uhr
Dr. Alexander-Martin Sardina, der Politikwissenschaftler und Autor des Buchs »Hello, girls and boys!« – Fremdsprachenunterricht in der SBZ und DDR kommt zu Vortrag und Diskussion unter dem Titel:
Mit zweierlei Maß – Das Ministerium für Volksbildung
Die SED-Propaganda stellte gern die "kostenlose Bildung" in der DDR als "Errungenschaft des Sozialismus" heraus. Dabei wurde aber verschwiegen, dass nur linientreuen Kindern und Jugendlichen alle Möglichkeiten zuteilwurden, während sich nicht angepasste "in der Produktion beweisen" mussten, von Abitur und Studium ausgeschlossen wurden oder in "Jugendwerkhöfen" umerzogen werden sollten – wobei es dort kaum Pädagogen gab und keine Beschulung stattfand unter Ausnutzung der Arbeitskraft und bei folterähnlichen Bestrafungen. Am Beispiel diverser Aspekte der Volksbildung veranschaulicht der Referent die Widersprüchlichkeiten des Systems: Eine Förderung erfolgte in allen Altersstufen nach Ideologie und nicht nach Leistung.
Im Anschluss an die Präsentation der Ergebnisse bietet die Diskussion mit dem Publikum die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch.
Dienstag, 12. Mai 2020, 18:00 Uhr
Thomas Lukow, ehemaliger politischer Häftling in Hohenschönhausen und Bautzen, hält multimedial seinen Vortrag:
Bautzen - von der Gefängnisstadt zum Touristenmagnet
Die Stadt Bautzen in Ostsachsen ist einerseits für viele vor allem ein DDR-Ort der gelebten Repression durch das SED-Regime. Hier stand mit Bautzen I, auch genannt das "Gelbe Elend", eine der größten Strafvollzugsanstalten des Ministeriums des Innern in Ostdeutschland. Gleichzeitig geheim und als Gerichtsgefängnis des Mdl getarnt, die Sonderhaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit, Bautzen II. Auf der anderen Seite wurde das mittelalterliche Bautzen, dessen historische Mitte aus vorwiegend Böhmischem Barock besteht, im II.Weltkrieg kaum zerstört. Man bezeichnete dieses Kleinod in der Oberlausitz mit seinen 17 Türmen und Basteien auch als "sächsisches Nürnberg".
Der Referent will unterstützt von eindrucksvollen Fotografien beide Seiten dieser Stadt dem Publikum zeigen.
Dienstag, 26. Mai 2020, 18:00 Uhr
Ingo Cesaro, Schriftsteller, Herausgeber, Handpressendrucker stellt sein Buch vor:
"JAN PALACH - Dein Herz verbrannte nicht"
Fünfzig Jahre hat er das Fanal, Jan Palachs Fackel Nummer 1, im Kopf mit sich herumgetragen, bis 2019 zur Leipziger Buchmesse der Band mit dem zweisprachigen Gedicht-Zyklus, dem Stück und Erinnerungsplitter in der édition trèves erschien. Bei einer Lesung 1999 beim Prager P.E.N. las er die Gedichte und Josef Hruby, sein Übersetzer die tschechischen Fassungen. Damals der Vorwurf: Was will ein westdeutscher Autor mit Jan Palach. Damals war Palach eine Unperson in Tschechien. An diesem Abend outete sich die Assistenzärztin Moserova, die Palach im Krankenhaus drei Tage lang mit betreut hatte, als Autorin des Bandes "Porc Jsem Nemluvila" (Warum ich solange geschwiegen habe). Sie hatte 30 Jahre lang aus Angst ihren Band nicht veröffentlich. Zwei Wochen nach der Veranstaltung verstarb sie.
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