Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus

Veranstaltungen

Dienstag, 27. Juni 2017, 18:00 Uhr
Dr. Franziska Kuschel, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, stellt ihr Buch vor:
Schwarzhörer, Schwarzseher und heimliche Leser. Die DDR und die Westmedien
(Wallstein Verlag 2016)

Die DDR konnte sich nur im geringen Maße gegenüber den gesamten westlichen Medien abschotten. Franziska Kuschel untersucht zum einen die Strategien des Staates, den Konsum westlicher Medien zu verhindern oder wenigstens zu kontrollieren und einzudämmen, die vor allem in den 1950er und 60er-Jahren die Kriminalisierung der sogenannten 'geistigen Grenzgänger' einschlossen. Zum anderen nimmt sie Strategien der Mediennutzer, diesem Druck zu begegnen und auszuweichen unter die Lupe. Erstmals wird so das Wechselverhältnis zwischen staatlicher Kontrolle und der eigensinnigen Aneignung der Medien analysiert.
Dienstag, 11. Juli 2017, 18:00 Uhr
Ivan Kulnev, Bildender Künstler und Historiker aus Berlin, eröffnet seine Ausstellung:
Das sowjetische Experiment
Zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution in neuen Collagen aus zeitgenössischem und historischem Bild- und Textmaterial

Der vielseitig gebildete Künstler Ivan Kulnev verfolgt das Ziel, den Betrachter zur Reflexion, zur kritischen Analyse und zum Nachdenken über das sowjetische Experiment, seine Entstehung sowie die Ursachen seiner Langlebigkeit und seines Scheiterns zu bewegen. Der intermediale Charakter der Collagetechnik mit der Möglichkeit, eine Vielzahl von Quellen zu nutzen, gibt dem Betrachter - seiner Überzeugung nach - die ideale Möglichkeit, sich in den komplexen historischen Zusammenhängen zu orientieren, diese zu verstehen und gegebenenfalls Parallelen zur Gegenwart zu ziehen und in die Zukunft zu denken.
Dienstag, 25. Juli 2017, 18:00 Uhr
Dr. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, stellt ihr im Ch. Links Verlag erschienenes Buch vor:
Frauen in der DDR
Wie lebten Frauen in der DDR? Im Rückblick erscheinen sie oft wie »siebenarmige Göttinnen«, die es offenbar spielend schafften, Berufstätigkeit, Mutterschaft und Emanzipation unter einen Hut zu bringen und bei alldem fröhlich durchs Leben zu gehen. Ihnen standen viele Wege offen, da, so die offizielle Lesart, der Staat vorbildlich für »seine Frauen« sorgte. Frauen in der DDR waren aber zugleich zwischen all ihren Rollen zerrissen - wie die Heldinnen aus den Erzählungen von Brigitte Reimann oder Maxie Wander, die sich gegen die ihnen gesetzten Grenzen auflehnten, und oftmals scheiterten. Die Autorin wagt einen Gesamtblick auf die Situation der Frauen, der das politische Leben genauso einschließt wie das berufliche und das private.
Dienstag, 08. August 2017, 18:00 Uhr
Kerstin Nickig, (Regisseurin) zeigt ihren 45 min. Dok.-Film über die Gedenkstätte Perm 36:
Die Macht der Erinnerung – Gulaggedenken in Russland
Das Filmteam besuchte die einzige GULAG-Gedenkstätte Russlands, die sich auf dem Gelände eines authentischen Straflagers für politische Gefangene befindet: Perm-36. Die Gedenkstätte wurde 1994 von ehemaligen politischen Gefangenen und kritischen Historikern aus dem Umfeld von MEMORIAL gegründet und ist nun zum Zentrum eines heftigen gesellschaftlichen Konfliktes um die “richtige” Darstellung von Geschichte geworden: Waren die Häftlinge des Lagers Perm-36 zu Recht verurteilte Vaterlandsverräter oder Opfer eines Unrechtsregimes? Seit die Gedenkstätte 2015 ihren Gründern aus der Hand genommen und verstaatlicht wurde, wird sie konzeptionell neu ausgerichtet. Nun kommen auch die Lageraufseher zu Wort.
Dienstag, 22. August 2017, 18:00 Uhr
Dr. Nancy Aris, stellv. Landesbeauftragte LStU Sachsen, referiert zu ihrem Buch:
Das lässt einen nicht mehr los. Opfer politischer Gewalt erinnern sich
Über Jahre haben Mitarbeiter des Sächsischen Landesbeauftragten Interviews mit Menschen geführt, darunter Margot Jann und Wolfgang Lehmann, die Opfer politischer Gewalt wurden. Sie saßen in sowj. Speziallagern, wurden aus ihrer Heimat an der innerdeutschen Grenze vertrieben, kamen wegen Flugblättern, Protestaktionen oder Fluchtversuchen hinter Gitter. Aus den aufwändigen Befragungen destillierte Nancy Aris die Essenz. Entstanden sind über dreißig Porträts, die ein facettenreiches Bild der DDR mit ihrer Vor- und Nachgeschichte zeichnen. So erschütternd die Schilderungen auch sind, so hoffnungsfroh stimmen kleine Zeichen der Mitmenschlichkeit, die es trotzdem gab. Zahlreiche Fotos und Dokumente illustrieren die Beiträge.
Dienstag, 05. September 2017, 18:00 Uhr
Hans-Henning Paetzke (Ungarn), der ehem. pol. Cottbus-Häftling, Autor und Übersetzer stellt sein neues autobiografisches Werk vor:
ANDERSFREMD
Der 1943 in Leipzig geborene Autor berichtet vom Überleben unter widrigen Umständen, von sozialistischen Volksbeglückungsphantasien aus dem Blickwinkel des kleinen Mannes, der sich trotz Gefängnishaft wegen Wehrdienstverweigererung und anderen Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt. Nach seiner Ausbildung als Schauspieler, dem Studium der Philologie, Germanistik und Psychologie, folgt 1968 die Emigration nach Ungarn, 1973 dann nach Frankfurt am Main.
»Paetzkes Prosa ist ein anekdotenhaftes Sinnieren über das grausame 20. Jahrhundert. Das Merkwürdige und Einzigartige daran ist eine komplexe Einbettung des autobiographischen Stoffs in die Historie und Literatur der mitteleuropäischen Landschaft, wodurch eine Art privater, ja, intimer Chronik entsteht.« György Dalos
Dienstag, 19. September 2017, 18:00 Uhr
Dr. Helmut Müller-Enbergs [Hg.], (Prof. Syddansk Universitet) präsentiert aus dem Werk:
Spione und Nachrichtenhändler
das Kapitel "Die Spione der DDR-Staatssicherheit"

Sie waren politische Überzeugungstäter, gerissene Geschäftsleute oder zufällig Hineingeratene: die Akteure des nachrichtendienstlichen Geschäftes während des Kalten Krieges. Dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte wurde bisher nur aus der Perspektive der ost- und westdeutschen Geheimdienstprominenz beleuchtet - doch die zahlreichen Personen in ihrem Schatten sind ebenso wichtige Protagonisten, wobei viele ihre Karrieren bereits im Nationalsozialismus begannen. Anhand der neuesten zeitgeschichtlichen Forschung geben ausgewiesene Autoren diesen Hintermännern ein Gesicht und zeigen in zehn aufschlussreichen Porträts, wie sie die jeweilige Geheimdienstarbeit geprägt haben.
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