Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus

„Bulgarien 1944-1989. Verbotene Wahrheit“

Ausleihbare Wanderausstellung der Gedenkbibliothek
in Sofia und Berlin eröffnet

Bis heute wenig bekannte Fakten aus der neueren Geschichte Bulgariens, vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Untergang der kommunistischen Diktatur, zeigt erstmalig die Wanderausstellung „Bulgarien 1944-1989. Verbotene Wahrheit“. Die Version in bulgarischer Sprache hatte ihre Premiere am 12. Oktober 2012 in Sofia, im Eingangssaal des Staatsarchivs mitten im Zentrum der Hauptstadt. Sie wurde vom Staatspräsidenten Rosen Plevneliev in Anwesenheit des deutschen Botschafters Matthias Höpfner unter großem Interesse der Bevölkerung eröffnet.
„Für mich drückt diese Ausstellung sehr klar und entschlossen aus, dass niemand den Totalitarismus rehabilitieren kann. Sie trägt die starke Botschaft, dass niemals mehr jemand Macht in seinen Händen halten darf, der die Wahrheit verbietet. Die Wahrheit über die Widerstandsbewegungen gegen den totalitären Staat dürfen nicht vergessen werden. Die Verbrechen des totalitären Staates müssen den nächsten Generationen aufgezeigt werden, sie dürfen nicht vertuscht werden. Die Wahrheit über die Opfer und die Repressionen des totalitären Regimes in Bulgarien müssen im Gedächtnis bleiben!“ - sagte Präsident Plevneliev und wünschte der Ausstellung großen Erfolg. Die Ausstellung ist nach Sofia mittlerweile mit großem Erfolg in Karlovo gezeigt worden und ist demnächst in Stara Zagora, Burgas, Gabrovo und weiteren Orten zu sehen.

Bei der sich an die Eröffnung anschließenden Konferenz konnte vor einem hochinteres-sierten Publikum auch der Be¬gleitfilm zur Wanderausstellung unter dem Titel „Verbotene Wahrheit“ der Sofioter Filmemacherin Irena Daskalova gezeigt werden. In diesem 45 min. Dokumen¬tarfilm be¬richten Zeitzeugen von ihren dramatischen Schicksalen und persönliche Erlebnissen vor allem in der frühen Phase der Errichtung des kommunistischen Systems. Die Besucher der Ausstellung gewinnen durch diese Zeugnisse, zusammen mit den 17 Text– und Bildtafeln, ei¬nen tiefen Einblick in diesen Zeitabschnitt bulgarischer Geschichte. Die Autoren Stoyan Raichevsky und Fanna Kolarova haben für diese bisher kaum aufgearbeitete Epoche viele Daten, Fakten und Dokumente aus den Archiven in Sofia und Berlin zusammengetragen. Einiges kam dazu aus Privatbesitz, darunter Fotos, Abschiedsbriefe von Hingerichteten und Originalzeichnungen aus den sogenannten „Arbeitsumerziehungslagern“. Auf zwei von insgesamt siebzehn leicht aufzustellenden Roll-up-Bannern ist die in Europa fast unbekannte langjährig bewaffnet kämpfende Widerstandsbewegung „Gorjani“ dargestellt. Unbekannt auch der hier ebenso thematisierte blutig niedergeschlagene Streik der Tabakarbeiter in Plovdiv im Mai 1953, einen Monat vor dem Aufstand des 17. Juni in der DDR. Über diesen Widerstand gegen das Kommunistische Regime und die erlittenen Repressalien der Bürger zu sprechen, war selbst im Familienкreis verboten. Damit diese ehemals verbotene Wahrheit nicht nach Erlangung der Freiheit weiterhin in der Gesellschaft verdrängt und verschwiegen wird, wurden von den Autoren Mitstreiter gesucht.

In der Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus / Stalinismus fand die in Berlin und Sofia lebende Autorin Fanna Kolarova für ihre Projektidee nicht nur offene Ohren sondern aktive Unterstützung. Als weitere Partner konnten die Bundesstiftung Aufarbeitung SED-Diktatur sowie das Landesbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bulgarien gewonnen werden.

Am 13. März 2013 wurde im völlig überfüllten „Europasaal“ des Mosse-Palais der Deutschen Gesellschaft von Prof. Dr. Peter Brandt, Sprecher des Kuratoriums der DG und Dr. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, in Anwesenheit des Botschafters Bulgariens Radi Naidenov nun die deutschsprachige Version der Ausstellung eröffnet.

Podiumsdiskussion bei der Eröffnung in Berlin
(v. l. n. r. Stoyan Raichevsky, Fanna Kolarova, Dr. Martin Kirsch, Gernot Erler MdB)
Nach dem einleitenden Vortrag des ehemaligen Parlamentsabgeordneten Stoyan Raichevsky zum Thema „Das totalitäre Regime in Bulgarien 1944 – 1989 und der verzögerte Übergang“, folgte ein 15 min. Ausschnitt des erschütternden Begleitfilms. Eine angeregte Podiumsdiskussion, an der neben dem aus Sofia angereisten Raichevsky auch Gernot Erler MdB und Fanna Kolarova teilnahmen, vervollständigte diesen von vielen Teilnehmern gelobten Auftakt.

Die Idee, diesen Teil osteuropäischer Geschichte anschaulich als multimediale Wanderausstellung zu gestalten, hat sich für die Macher als positiv erwiesen. In Deutschland gibt es mittlerweile Anfragen aus Leipzig, Dresden, Plauen und Bremerhafen. Das Begleitbuch zur Ausstellung erschien bereits in zweiter Auflage in drei Sprachen (Bulgarisch, Deutsch, Englisch).

Wer interessiert ist und mithelfen will, dass diese ausleihbare multimediale Dokumentation weite Verbreitung findet, erhält mehr Informationen bei der Gedenkbibliothek oder im Internet unter: www.bulgaria1944-1989.eu

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